Jens Kenserski

„Wir sollten froh sein, dass es die Kammer gibt.“

Jens Kenserski ist Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur pulsmacher in Ludwigsburg. Zusammen mit seinen 30 Mitarbeitern beschäftigt er sich u. a. mit Markenentwicklung, Grafikdesign, Onlinekommunikation und Eventorganisation. Zu den Kunden der mehrfach ausgezeichneten Agentur gehören u. a. Bosch, Daimler, Esprit, die Sparda Bank, Yves Rocher, das Staatsministerium Baden-Württemberg, MHP, die Stuttgarter Zeitung und Uniqlo.

 

Herr Kenserski, Sie sind seit Gründung Ihrer Agentur 1999 Mitglied in der IHK. Die bietet zwar viele Dienstleistungen an, aber den Großteil davon brauchen Sie doch vermutlich gar nicht.

Das ist richtig.

Und trotzdem sind Sie positiv auf die IHK zu sprechen?

Absolut. Für mich sind Ausbildung und Weiterbildung die zentralen Angebote der Kammer, von denen wir als Agentur einen direkten Nutzen haben. Wir haben immer zwei Auszubildende im Betrieb, einen Bürokaufmann bzw. -kauffrau und einen Marketingkaufmann bzw. -kauffrau. Die duale Ausbildung, die unsere Kollegen hier genießen, ist hervorragend. Im Ausland werden wir hierfür immer noch beneidet. Die IHK koordiniert das Ganze und nimmt die Prüfungen ab. Unsere Azubis haben am Ende einen Abschluss, der anerkannt ist und für hohe Qualität bürgt.

Nennen Sie doch mal ein Beispiel, wie Sie die IHK beim Thema Ausbildung unterstützt.

Neulich wollten wir einen Azubi aus einem Nicht-EU-Land einstellen. Wir haben bei der IHK einen Ansprechpartner, der mich und meine Agentur kennt. Diesen habe ihn angerufen und er konnte mir sofort weiterhelfen. Diese pragmatische Hilfsbereitschaft schätze ich als Geschäftsführer.

Sie hatten auch Weiterbildung angesprochen …

Ja, regelmäßig schicken wir Kollegen zu Seminaren, zuletzt zum Thema Vertragsrecht. Die Qualität der Veranstaltungen und die Kosten dafür stehen für mich in einem ausgezeichneten Verhältnis. Ich kann das also nur empfehlen.

Können Sie es nachvollziehen, dass Unternehmen sich schwertun, Beiträge an die Kammer zu entrichten, wenn sie das Angebot kaum nutzen?

Ich vermute, dass die meisten dieser Unternehmen die IHK-Dienstleistungen gar nicht kennen. Hier ist es sicher Aufgabe der Kammer, aber auch der aktiven Mitglieder, Öffentlichkeitsarbeit für das Angebotsportfolio und für die Institution zu betreiben. Aber selbst, wenn für ein Unternehmen kein Service interessant sein sollte, so gehört es meines Erachtens zur Solidargemeinschaft, diese Einrichtung zu unterstützen. Viele Unternehmen sind auf die Kammer angewiesen; dazu gehören bestimmt auch Kunden von uns. Wenn ihnen die IHK Gutes tun kann, dann profitiert – indirekt – auch meine Agentur davon.

 Die Kammern müssten reformiert werden, meinen manche. Sie auch?

Jede Organisation muss sich den veränderten Rahmenbedingungen anpassen, sich ständig erneuern. Das gilt auch für die IHK. Ich könnte mir schon ein paar Themen vorstellen, zu denen in der Kammer aktiver diskutiert und entschieden werden sollte, z. B. Elektromobilität oder Nachhaltigkeit. Bei dem mir so wichtigen Thema Ausbildung wäre eine engere Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer wünschenswert. Und bei der Digitalisierung muss die IHK natürlich auch ganz vorne mitspielen, um die Mitglieder unterstützen zu können. Das sind wichtige Aufgaben für die Zukunft. Die Industrie- und Handelskammer per se stelle ich aber definitiv nicht in Frage. Im Gegenteil: Wir sollten froh sein, dass es sie gibt!