„Demokratie und Mitgestaltung sind ein hohes Gut, das wir oft nicht genug schätzen!“

„Meine persönliche Erfahrung ist, dass sich die Dinge nicht verändern lassen, wenn man sich abwendet. Demokratie und Mitgestaltung sind ein hohes Gut, das wir oft nicht genug schätzen!“

Heike Gehrung-Kauderer, Geschäftsführerin Kauderer Hotelbetriebs GmbH

Qualifizierte Fachkräfte zu finden und möglichst langfristig an das Unternehmen zu binden: auch für uns im Gastgewerbe ist das heute eine der größten betrieblichen Herausforderungen. Wir haben für unsere drei Hotel- und Restaurantbetriebe darum von Anfang an auf die Ausbildung junger Nachwuchskräfte gesetzt. Ausbildung ist für uns Existenzsicherung. Hier leistet die IHK aus meiner Sicht wichtige Unterstützung. Nicht nur, dass sie die Ausbildungsbetriebe berät, etwa im Hinblick auf die inhaltliche Gestaltung der Ausbildung oder zu rechtlichen und pädagogischen Fragen. Auch die Azubis werden von der IHK vor und während der Ausbildungszeit begleitet. Wenn Ausbildungsbetriebe die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllen, dann kann die IHK eingreifen und vermitteln – im Gegensatz zum Beispiel zu einem Berufsverband.

Meine Mitarbeit im Prüfungsausschuss der IHK zeigt mir, wie wichtig es ist, sich immer wieder neu mit den Anforderungen an Ausbilder und Auszubildende auseinanderzusetzen. Es ist ein Unterschied, ob jemand aus einem großen Sternehaus kommt, oder aus einem kleinen Landgasthof: Zwar müssen beide selbstverständlich die gleichen Prüfungsfragen zur Zufriedenheit beantworten, doch können wir die jeweils individuellen Voraussetzungen mit in Betracht ziehen. Ich sehe es als äußerst positiv, dass wir im Rahmen der IHK die Möglichkeit haben, Praktiker aus der Branche aktiv mit einzubinden und Prüfungsaufgaben an regionale Gegebenheiten anzupassen. Wir müssen uns mit Blick auf eine gleichbleibend hohe Ausbildungsqualität auch Fragen zuwenden wie etwa dem Umgang mit einer neuen Generation, die ganz andere Ansprüche an ihr Berufsleben stellt. Gerade in der Gastronomie sind Work-Life-Balance oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf allein schon der Arbeitszeiten wegen eine besondere Herausforderung.

Aus meiner Arbeit in der IHK weiß ich, dass Nachwuchsgewinnung und Qualitätssicherung zwei Beispiele für zentrale Anliegen sind, die wir mit allen anderen Branchen teilen. Wir haben gemeinsame Ziele, auch, wenn die individuellen Ausprägungen sehr unterschiedlich sind. Die IHK bietet hier eine Plattform zu Austausch und Dialog, was ich sehr schätze. Man begegnet sich auf gleicher Augenhöhe und frei von Wettbewerbsattitüden, holt sich Impulse auch aus völlig anderen Bereichen, teilt Ideen oder berät über Best Practices. Die Interessen zu bündeln und als Sprachrohr der Unternehmen das politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem wir arbeiten, für die Erfordernisse erfolgreichen Wirtschaftens zum Nutzen aller zu sensibilisieren, sehe ich als einen wichtigen Auftrag der IHK.

Umgekehrt ist es für mich von großem Vorteil, dass es mit der IHK eine zentrale Anlaufstelle gibt, die eine Art Ratgeberfunktion einnimmt und Informationsdrehscheibe ist. Änderungen in der Gesetzgebung, Konjunkturbilder, aktuelle Entwicklungen – tatsächlich wäre es ein nicht zu unterschätzender Aufwand, sich das alles selbst erarbeiten zu müssen. Wo informiere ich mich am besten über die angedachten Fahrverbote? Was ändert sich für uns mit der neuen Datenschutzverordnung? Konkrete Fragen, auf die es oft kurzfristig eine Antwort braucht. Sie sind hier ebenso gut aufgehoben wie langfristige Veränderungen und aktuelle Trends, wie sie beispielsweise die digitale Transformation oder die Suche nach neuen Arbeitszeitmodellen darstellen, die dabei sind, unser gesamtes Arbeitsleben umzukrempeln. Als wertvoll erachte ich die verschiedenen Arbeitskreise, die sehr kompetent besetzt sind und gute Arbeit leisten.

Ich sehe allerdings auch die IHK gefordert, sich selbstkritisch zu analysieren und manche alten Strukturen dahingehend zu hinterfragen, ob sie noch zeitgemäß sind. Gerne möchte ich konstruktiv und aktiv mitgestalten, zum Wohle der Ausbildungsqualität und als Vertreter einer starken Branche, die leider in der IHK unterrepräsentiert ist. Stillstand ist Rückschritt. Meine persönliche Erfahrung ist, dass sich die Dinge nicht verändern lassen, wenn man sich abwendet. Die gute Kooperation zwischen engagierten IHK Mitarbeitern und einem starken Ehrenamt lässt mich positiv in die Zukunft blicken. Demokratie und Mitgestaltung sind ein hohes Gut, dass wir oft nicht genug schätzen!