„Die IHK bringt Menschen aus sehr unterschiedlichen Welten zusammen.“

Dr. Jürgen Bernhardt, Geschäftsführer von BioTeSys

Im Unterschied zu vielen anderen Mitgliedern in der IHK – seien es Betriebswirte, Kaufleute oder Handwerker – bin ich Wissenschaftler. Als solcher habe ich gemeinsam mit damaligen Kollegen am Lehrstuhl der Universität Hohenheim 1999 das Biotechnologie-Unternehmen BioTeSys gegründet. Ich gebe zu: In meiner Eigenschaft als Geschäftsführer ist vieles „learning by doing“, gerade wenn es darum geht, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge tatsächlich umzusetzen. Aber es funktioniert, und mittlerweile haben wir 20 Mitarbeiter, überwiegend Promovierte und Diplomierte, Bachelor- und Master-Absolventen ebenso wie technisches Personal.

Auch wenn wir daher kein klassischer Ausbildungsbetrieb sind, ist doch das Thema Ausbildung für mich persönlich und ganz grundsätzlich sehr wichtig für die Region. Genauso wie die Verkehrssituation, die Ansiedlung von Unternehmen oder allgemein die Zukunftsperspektiven der regionalen Wirtschaft. Für uns bei BioTeSys ist konkret der Bereich Weiterbildung vor allem rund um IT und Datensicherheit spannend. Die vielen IHK-Angebote hierzu helfen uns dabei, die Themen vorzubereiten, einzusortieren und dann entsprechend zu bearbeiten. Gleiches gilt für das Personalwesen, Import-Export-Angelegenheiten oder Fortbildung im Allgemeinen. All das läuft neben dem Tagesgeschäft, und dafür greife ich bevorzugt auf das Wissen der IHK zurück.

Ich schätze die Kammer besonders in ihrer beratenden Funktion. Jeder Einzelne hat die Möglichkeit, die Angebote auf seine individuellen Bedürfnisse anzupassen. Und ich kann wirklich nur jedem raten, das wahrzunehmen. Kontaktiert man die Ansprechpartner bei der IHK, erwartet einen ein unkompliziertes und zielführendes Vorgehen. Natürlich habe auch ich mich zu Beginn der Unternehmensgründung gefragt, was eine Industrie- und Handelskammer für mich tun kann. Als Wissenschaftler war ich ohnehin nicht besonders IHK-affin. Das lag sicher auch daran, dass für mich eine Einrichtung wie diese eher unhandlich erschien: In der Wahrnehmung steht sie ja irgendwo zwischen Behörde und Selbstverwaltung. Doch spätestens, wenn man bei seiner Geschäftstätigkeit auf eine Fragestellung trifft, bei der die Mitarbeiter der Kammer unterstützen können, ist das Bewusstsein für ihre Relevanz da.

Deshalb stellen wir uns als IHK-Mitglieder die Frage: Wie können wir die Angebote der Kammer noch stärker verbreiten und darüber informieren? Das geschieht zum Beispiel über das Thema Ausbildung und über Aktivitäten, wie die der Wirtschaftsjunioren. Damit sprechen wir Nachwuchskräfte an und bauen Hemmschwellen ab. Durch meine Arbeit in dieser Organisation sehe ich aber auch Schwachstellen, wie aktuell die Diskussionskultur. Sie sollte im Sinne aller Mitglieder doch vor allem konstruktiv sein und sich auf die fokussierte Aufgabenstellung der IHK konzentrieren. Die IHK kann kein Gremium sein, das allgemein gesellschaftspolitisch agiert. Das ist aber auch nicht die originäre Aufgabe – und trotzdem entzünden sich hier Streitpunkte. Tatsächlich wäre es viel wichtiger, wenn sich alle Akteure – Kritiker genauso wie die Mehrheit – über die wirklich großen Herausforderungen, vor denen wir als Unternehmer stehen, auseinandersetzten, ohne sich in abseits liegenden Details zu verlieren.

Meine Arbeit als Mitglied der Esslinger Bezirksversammlung und als Mitglied der Vollversammlung Region Stuttgart führt mir immer wieder vor Augen, warum das Gremium unentbehrlich ist: In der IHK steht das Netzwerken im Vordergrund, der Austausch von Erfahrungen genauso wie das Erkennen von Möglichkeiten. Nehmen wir das Beispiel unseres Unternehmens BioTeSys. Biotechnologie ist heute bereits eine klassische Querschnittstechnologie. Ohne, dass es offensichtlich wäre, steckt sie in praktisch allem drin. In der Biochemie, Pharma und Kosmetik aber auch im Spezialmaschinenbau oder Automotive-Bereich. Für so etwas ist die IHK eine ideale Austausch-Plattform. Bei Treffen und Versammlungen gibt es den direkten Draht zwischen Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen an die man sonst nur mit großem Aufwand rankommt, und man bespricht Anliegen, ohne Reibungsverluste zu riskieren.

Mindestens genauso wichtig ist der Austausch zwischen erfahrenen Unternehmern und jungen Gründern. Hier schafft die IHK ebenfalls eine Verknüpfung, die ich für wichtig halte. Daher appelliere ich auch an die Vertreter verschiedenster Professionen, sich in der IHK zu engagieren. Ich setze mich gerne für die IHK ein. Sie bringt Menschen aus sehr unterschiedlichen „Welten“ zusammen. Teilweise verwenden wir dieselbe Sprache, manchmal aber doch mit unterschiedlichen Bedeutungen. Am gegenseitigen Verständnis müssen wir fortwährend arbeiten. Die IHK ist hierfür definitiv die Plattform mit einer ganz eigenen Qualität, wie sie es sie in anderen Ländern nicht gibt.